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Newsletter 1 | 2017

Food Trends 2017

Transparenz über das Label hinaus

Clean oder Clear Label-Claims entwickeln sich vom Kaufkriterium zur Basisanforderung an Lebensmittel. Gleichzeitig interessieren sich Konsumenten verstärkt für die Urproduktion tierischer Zutaten und wollen vom Produkt überzeugt werden.

Um die Hoffnungen und Sehnsüchte der Konsumenten besser zu verstehen, werten Marktforscher Tag für Tag immense Mengen an Daten aus. Als Ergebnis der Analyse benennen sie Entwicklungen und Food-Trends und geben damit den Wünschen und Erwartungen der Konsumenten eine Stimme. Und diese Stimme fordert nicht erst seit gestern cleane Label für Lebensmittel. Was »clean« konkret bedeutet, ist zwar nach wie vor gesetzlich nicht definiert, klar ist jedoch: „Clean und clear ist nicht länger ein Trend – es sind die neuen Spielregeln“, weiß Lu Ann Williams. Die US-Amerikanerin aus Georgia leitet den Bereich Innovation bei Innova Market Insights und beobachtet bereits seit einigen Jahren den Trend zu kürzeren Zutatenlisten und weniger künstlichen Zusatzstoffen. Gefragt seien transparente Produkte, denn das Interesse an der Herstellung und Zusammensetzung von Lebensmitteln und Getränken ist groß.

glutenfrei

Lange Zutatenlisten mit Zusatzstoffen lehnen immer mehr Verbraucher ab.

Der Wunsch nach »sauberen« Lebensmitteln und Getränken begleitet Produktentwickler bereits seit einigen Jahren. Neu ist jedoch, dass sich das Interesse der Konsumenten in Richtung der Urproduktion verlagert. Landwirtschaftliche Claims wie »Care in every step - From Cow to you« auf Milch und Milchprodukten oder solche, die die GMO-freie Fütterung der Tiere betonen, sind ein kleiner Trend, der schnell wächst. „Eine tolle Chance besonders für kleine Unternehmen“, sagt Williams.

Interesse an Tierwohl und Transparenz

Die deutschen Verbraucher interessieren sich mittlerweile nicht mehr nur für die industrielle Herstellung tierischer Produkte, sie fordern auch bessere Bedingungen in der Tierhaltung. Dem Ernährungsreport 2017 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zufolge halten 87 Prozent der Befragten eine Überprüfung und Verbesserung der Standards für erforderlich. 82 Prozent wünschen sich zudem mehr Transparenz in puncto Tierhaltung etwa durch Siegel oder Label. Die Zahlen lesen sich wie eine Abmahnung oder zumindest Abrechnung mit Industrie und Politik und untermauern das zuletzt stark gestiegene Interesse an Alternativen zu tierischen Produkten. Denn ob Veganer, Vegetarierin, flexitarisch orientiert oder einfach nur neugierig – der Blickwinkel der Konsumenten hat sich enorm geweitet. Die Unzufriedenheit und das Misstrauen gegenüber Milch, Joghurt, Wurst und Co. macht pflanzliche Zutaten und Lebensmittel zu potentiellen Nutznießern des Trends.

Mehr als nur Beilage

Was früher noch als lästiges Grünzeug oder sättigende Beilage abgetan wurde, genießt heute deutlich mehr Aufmerksamkeit bei den Verbrauchern: Pflanzen und daraus hergestellte Produkte werden derzeit nachgefragt wie noch nie. Konsumenten sind auf der Suche nach innovativen Produkten wie Pflanzenmilch oder veganen und vegetarischen Alternativen zu Fleisch, um die gesundheitlichen Vorteile pflanzlicher Lebensmittel in ihren Alltag zu integrieren. Dieser Trend ist derzeit auf dem besten Wege, schnell zum Mainstream zu werden. Ausgeschöpft ist sein Potenzial trotzdem noch nicht: Alternative Proteinquellen zu Milch und Fleisch sind nach wie vor eine Herausforderung und ein Markt der weiterhin wächst. Ebenso gefragt sind gesunde Kräuter und Gewürze wie Kurkuma, Rosmarin und Salbei sowie färbende Pflanzen wie die Holunderbeere. Bis aus dem Interesse an pflanzlichen Lebensmitteln und Zutaten eine Lieblingsspeise der Deutschen wird, dauert es aber noch. Auf die Frage danach, was sie am liebsten essen, antworten über die Hälfte (53 Prozent) Fleischgerichte, während es Speisen mit Nudeln mit 38 Prozent auf Platz Zwei schaffen. Gemüsegerichte landen abgeschlagen auf Platz Drei mit nur 20 Prozent. Es gibt also noch viel Luft nach oben und damit auch jede Menge zu tun für die Produktentwicklung.

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Mehr zum Thema Food Trends lesen Sie in der food design 1 | 2017, die am 2. Mai erscheint.

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