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Newsletter 1 | 2017

Wie Konsumenten jenseits der 65 das »gesunde Plus« definieren

Naschen und gesund bleiben

Nicht nur aufgrund des demographischen Wandels ist die Generation 65 Plus eine zunehmend interessante Zielgruppe für Süßigkeiten. Ein näherer Blick auf die individuellen Wünsche lohnt sich allemal, denn auch wenn Süßes mit gesundem Plus generell im Trend liegt: Geht es um das eigene Wohlergehen, setzt jede Generation ihre eigenen Schwerpunkte.

Süßwaren, die das Naschen mit einem gesunden Plus kombinieren, sind beliebt. So individuell jedoch die Vorstellung vom süßen Genuss ist, so unterschiedlich sind auch die Meinungen darüber, wie dieses »Plus« aussehen soll. Letztlich entscheidet darüber nicht nur der Geschmack, sondern auch das Alter der Konsumenten. In Deutschland gehört derzeit jeder Fünfte zur Generation 65 Plus, 2060 wird es voraussichtlich bereits jeder Dritte sein. Interessant ist diese Generation für Produktentwickler von Süßwaren nicht nur aufgrund der sich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung. Hinzu kommt, dass sich mit fortschreitendem Alter der Geschmack ändert und vielen ein süßer Zahn wächst, denn: Im Gegensatz zu bitter, salzig und sauer bleibt die Wahrnehmung süßer Stimuli bis ins hohe Alter erhalten. Beste Voraussetzungen, jedoch bleibt die Frage: Was müssen Süßwaren mit sich bringen, damit Konsumenten jenseits der 65 einen positiven Nutzen für ihre Gesundheit sehen?

glutenfrei

Ballaststoffe aus bekannten Zutaten wie Hafer verleihen Süßwaren ein gesundes Plus.

Besonderes Augenmerk liegt bei der älteren Generation zum Beispiel auf Vitaminen und Mineralstoffen für den Knochenstoffwechsel. Die eigene Vitalität und Beweglichkeit ist eine der größten gesundheitlichen Sorgen im Alter. Das Schweizer Unternehmen Omya hat sich auf die Herstellung von Calciumcarbonat spezialisiert. Ein Kernprodukt für die Lebensmittelindustrie ist Calcipur, das einen hohen Anteil an elementarem Calcium bietet. Es lässt sich als Weißpigment für das Coating von Schokodrops oder –linsen oder für Zuckerglasuren auf Keksen, Donuts oder Muffins verwenden. Neben der Funktion als Pigment ist der Inhaltsstoff auch eine Calciumquelle – ein Aspekt, der insbesondere bei Zahnpflegekaugummis als Mehrwert ausgelobt werden kann. Gleichzeitig können Produktentwickler mit Hilfe des Carbonats Titandioxid in Rezepturen ersetzen.

Ballaststoffe aus vertrauten Quellen

Neben einer ausreichenden Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sorgen sich besonders Ältere um ihre Darmgesundheit. Mit Ballaststoffen angereicherte Süßwaren wie Kekse, Riegel oder süße Chips sind eine Möglichkeit, Genuss und Gesundheit in einem Lebensmittel zu vereinen. Gut geeignet sind hierfür Ballaststoffe aus bekannten Getreidesorten wie Hafer oder Gerste. Im Gegensatz zu jüngeren Konsumenten möchte die Generation zwar das Plus an Gesundheit, dabei jedoch nicht die böse Überraschung beim Blick auf das Etikett. Exotische und unbekannte Zutaten schrecken sie eher ab. Das finnische Traditionsunternehmen Fazer Mills kennt sich mit Zutaten aus Getreide bestens aus und bietet den löslichen Ballaststoff Beta-Glucane aus Hafer in verschiedenen Dosierungen für die Lebensmittelindustrie an. In entsprechender Konzentration eingesetzt können Hersteller auf diese Weise mittels eines Health Claims den positiven Einfluss von Beta-Glucanen auf den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel ausloben. Auch Roggen ist ein Getreide, das älteren Konsumenten zum Beispiel aus Backwaren bestens bekannt ist und sich daher für die Anreicherung mit Ballaststoffen anbietet.

Neue Süße durch synthetische Biologie

So gesund Süßwaren durch Zutaten wie Ballaststoffe oder auch Calcium daherkommen – sie bleiben immer noch Süßwaren und enthalten damit jede Menge Zucker. Ein Ärgernis, das dem Genuss einen faden Beigeschmack verpasst. Übergewicht und die Zuckerkrankheit Diabetes sind nach wie vor Themen, die viele ältere Menschen bewegen und auch betreffen. An diesem Punkt setzen Extrakte aus der Stevia-Pflanze an. Bis zu 350 Mal süßer als Zucker und gleichzeitig vollständig kalorienfrei ist der Süßstoff aus der ursprünglich aus Paraguay stammenden Pflanze. Seit der EU-Zulassung vor fünf Jahren sind fast 360 Produkte mit Stevia-Extrakt auf den deutschen Markt gekommen. Nach wie vor haben Produktentwickler jedoch mit dem bitteren Nebengeschmack von Rebaudiosid A zu kämpfen, einem Steviol-Glykosid, das hauptsächlich im Extrakt vorhanden ist. Um dies zu ändern, setzen Cargill und Evolva auf Rebaudiosid M und D. Diese kommen nur in geringsten Mengen in den Blättern der Stevia-Pflanze vor und sollen in Zukunft mittels genetisch modifizierten Hefen hergestellt werden. Die GRAS-Zulassung (Generally recognized as safe) der US-amerikanischen FDA hat der neue Süßstoff namens EverSweet bereits, die geplante Markteinführung wurde vor einigen Tagen jedoch verschoben. Produktentwickler müssen sich also noch bis 2018 gedulden, bis sie in der Praxis austesten können, ob der Süßstoff hält, was er verspricht.

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Mehr zum Thema Ballaststoffe lesen Sie in der food design 1 | 2017, die am 2. Mai erscheint.

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